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Animal Jesus
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ich bin konfessionslos, ich gehöre keiner Religions-
oder Glaubensgemeinschaft an. |
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Verteidigung
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und Unterstellungen der Blasphemie oder der Anthropomorphisierung
(Vermenschlichung) lasse ich nicht einfach gelten. Es ist nicht meine
Absicht, nichtmenschliche Tiere zu vermenschlichen oder persönliche
religiöse Positionen anzugreifen. Mit der "Schöpfung"
von ANIMAL JESUS möchte ich einen Spiegel vor die Blicke all jener
halten, die sich aus welchen Gründen auch immer mit dem christlichen
Leid-Thema auseinandersetzen. Bei diesem Prozess nehme ich ganz bewusst
die Mittel der Kunst in Anspruch. Kunst bietet die Möglichkeit zur
progressiven Vermischung von Fiktion und Wirklichkeit durch grenzauflösende
Verschiebung von allgemeingültigen Perspektiven. Kunst erfüllt
die Funktionen von "sense and nonsense" gleichermaßen.
Kunst bindet die Flüchtigkeit menschlicher Vorstellungskraft. Kunst
ist Egosubstanz! |
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Moral
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"ANIMAL JESUS" bezieht sich auf paradoxe
und widersprüchliche moralische Weltbilder, Zeitgeister und Lebensarten
menschlicher Kulturen. Im modernen Christentum spielt das Leid-Thema eine
bedeutende Rolle, wobei der gekreuzigte Jesus Christus die zentrale Symbolfigur
ist, an dessen Biographie sich die religiöse und moralische Auffassung
der Christen weitgehend (theoretisch) orientiert..
von ANIMAL JESUS folgt keiner religiösen Absicht, vielmehr konfrontiert die Darstellung das gängige christliche Selbstverständnis mit den Umständen des alltäglichen Massenmordes an empfindenden Lebewesen. Ob es Menschen oder nichtmenschliche Tiere betrifft, die begangenen menschlichen Gräueltaten erhalten keine ethisch vernünftige Legitimation. Überall dort, wo sich Menschen auf moralische Werte wie Mitleid, Gerechtigkeit, Barmherzigkeit, Vergebung und dergleichen stützen, werden darüberhinaus in den allermeisten Fällen Nutztiere wie beispielsweise Kühe, Schweine, Kaninchen, Schafe oder Hühner von diesem Wertesystem de facto ausgeschlossen. Einerseits sind alle Lebewesen nach christlicher Auffassung "Geschöpfe Gottes", andererseits duldet diese Glaubensform die Tötung jener Lebewesen durch Bolzenschuss, Vergasen, Stromschocks und Verbluten [ gängige Schlachthofpraxis: Rind, Schwein, Huhn ]. |
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Kritik
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zog patriarchische, anthropozentrische und diskriminierende
Denkmodelle mit sich, ebenso wie viele andere kulturelle und religiöse
Strömungen weltweit. Diese Arten der Missachtung anderer Lebensweisen
und Lebensformen sind ganz sicher keine rein christlichen Attribute -
vielmehr wurde der christliche Glaube wie die meisten religiösen
Philosophien in weiten Teilen instrumentalisiert und für egoistische
Machtpositionierungen entfremdet. Diese Instrumentalisierung findet man
historisch und gegenwärtig allzu häufig, u.a. auch in politischen
Ideologien. Die Bestrebung des Christentums sowie anderer Religionen,
wie etwa der Islam, zu einer vorschreibenden Lebensanweisung besitzt ihre
Kernsubstanz nicht zuletzt in einer Vertiefung und Stabilisierung bestehender
Ordnungs- und Machtstrukturen in der Gesellschaft. (z.B. im Verhältnis
Mann <-> Frau, Erwachsene/r <-> Kind, Mensch <-> Nichtmensch,
Glaubensvertreter/in <-> Ungläubige/r, ...) während auf der einen Seite in vielen modernen Gemeinschaften bereits der moralische Umgang mit Menschen untereinander annehmbare Formen nach sich gezogen hat, so ist auf der anderen Seite die Behandlung andersartiger aber ähnlicher Lebewesen von ethischen Defiziten gekennzeichnet oder anders gesagt: das Verhältnis zwischen Mensch und nichtmenschlichem Tier ist durch offene Verletzungen stigmatisiert. Der Mensch ist per se ein "Kind Gottes", "das Tier" ist bloß ein "Geschöpf". Während der moralische Mensch sich selbst in und unterteilt, so behandelt er die nichtmenschlichen Tiere als Subjekte von geringerem Wert. Spätestens in der Praxis bleibt die universelle Nächstenliebe auf der Strecke, wenn die "Geschöpfe Gottes" in Form von Wiener Schnitzeln, Fischstäbchen, etc. die Speiseröhre passieren. |
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Martyrium
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ist weder weiß noch schwarz, Jesus ist weder Mann noch Frau, Jesus ist weder Kind noch erwachsen, Jesus ist weder Mensch noch Schwein noch Kuh - Jesus ist die artifizielle Symbolfigur für eine menschentypische Schuldfähigkeit, die aus der methodischen Anwendung von Ungerechtigkeit, Gewalt und debiler Leidzufuhr resultiert. |
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Anhang 1
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zu dem Thema erheben weder den Anspruch auf
Richtigkeit noch auf Unabänderbarkeit. Ich beziehe eine künstlerische,
subjektive Position. Ich veräußere diese Position, um zum Nachdenken
anzuregen. Dies ist mein Hauptmotiv. Es ist nicht
mein Ziel, den persönlichen Glauben mancher Menschen einzuschränken
oder zu beleidigen. Mein Ziel ist die Diskussion über Zustände
zu fördern. Mein Ziel ist Zustände zu verändern - im Sinne
einer verantwortbaren Fortschrittlichkeit. |
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Anhang 2
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Motiv werden Zahlen von getöteten Tieren in Deutschland
aus dem Jahr 2002 aufgeführt. Diese Zahlen erfordern in Verbindung
mit dem Motiv keine andauernde Aktualisierung. Die Zahlen haben Gültigkeit
als eine derzeitige Konstante ebenso wie als eine historische Marke. Ob
heute, morgen, in 100, 1000 oder 2000 Jahren: die Tötung von 6 Millionen
Menschen oder von 495 Millionen Nutztieren ist, genau wie die Vorstellung
von der Tötung Jesus Christus, stets ein Fixpunkt und ein Mahnmahl
für die Schuld der Täter bis in alle Zeit. Amen. |
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